RED OUTPOST


Es war der 21. Juli 1969. Leonid verfolgte wie 600 Millionen andere Menschen rund um den Globus wie Neil Armstrong auf den unwirklichen Bildern aus der Mondlandefähre stieg um die Treppe Richtung Mondoberfläche herunterzusteigen. Kurz bevor er den ersten Schritt auf die Mondoberfläche tat schaltete Leonid den Fernseher ab, trank den letzten Schluck Wodka aus seinem Glas und lächelte müde. "Sollen Sie ihre Mondlandung haben", dachte er. "Wir haben die Krasnaya Zary und bald einen kommunistischen Außenposten auf einem habitablen Planeten". Der Gedanke an einen strahlenden Palast der Sowjets in einer fremden Welt ließ ihn gut einschlafen. In seinem Traum sah er den Namen der Welt deutlich vor sich: RED OUTPOST

Ich schätze so, oder so ähnlich wird sich die Geschichte damals zugetragen haben. Inzwischen haben wir erfahren, dass die Krasnaya Zary eine Bruchlandung auf dem Planeten hingelegt hat. Unsere Aufgabe ist es nun die Gemeinschaft der Überlebenden zu führen, unsere Arbeiter zu motivieren und Gemeinschaftsgüter zu liefern. Nebenbei versuchen wir auch die meisten Siegpunkte zu erreichen um zum neuen Anführer in der neuen marxistischen Utopie aufzusteigen.

Ein neuer Tag im Paradies

Zu Beginn einer Partie werden die Sperrmarker für den Morgen und den Abend auf dem Spielfeld platziert. Für einen leichten Einstieg empfehlen die Regeln die Platzierung an bestimmten Orten. Außerdem können die Spezialkarten zunächst weggelassen werden. Jeder Spieler stellt eine Einflussscheibe seiner Farbe auf die Siegpunkteleiste Feld 5 und eine Einflussscheibe auf das Produktionsrad. Zusätzlich gibt es für jeden einen Kristall. Nachdem die Arbeiter, die Phasen- und Stimmungsmarker und die See- und Raumschiffkarten auf dem Spielbrett platziert sind kann es auch schon losgehen.

RED OUTPOST wird über zwei Tage gespielt, wobei jeder Tag aus fünf verschiedenen Phasen besteht. In jeder Phase führen die Spieler die folgenden Schritte abwechselnd aus:

  • Einen Arbeiter bewegen
  • Eine Einflussscheibe platzieren
  • Stimmung anpassen
  • Aktion des Ortes durchführen

Morgens, mittags und abends wird nur ein Arbeiter pro Spieler gesetzt. Am Vormittag und am Nachmittag sind die Hauptarbeitsphasen - dort werden alle Arbeiter gesetzt. Nach dem Abend des zweiten Tages endet das Spiel und die Endwertung beginnt.

Auf auf zur Arbeit

Die Spieler haben die Auswahl, welche Arbeiter sie in Ihrem Zug wo einsetzen - manche Felder sind allerdings abhängig von der Tageszeit durch die Sperrmarker blockiert. Je nach Einsatzort kann sich die Stimmung des Arbeiters verändern, was den Spielern am Ende Sieg- oder auch Minuspunkte einbringen kann. Z. B. gehen alle Arbeiter gerne mal einen trinken. Das hebt die Stimmung um zwei Punkte, außer bei der Kommissarin - da sinkt die Stimmung um einen Punkt. Auch an den Spielorten, an denen Waren für das Allgemeinwohl produziert werden sinkt die Stimmung, wenn nicht der zum Ort passende Arbeiter eingesetzt wird. Konkret betrifft das die folgenden Orte und Personen:

  • Der Hirte hütet natürlich gern die Tiere auf der Weide
  • Die Landwirtin bestellt das Kornfeld
  • Der Bergmann ist üblicherweise in der Mine am Besten aufgehoben
  • Der Fischer fischt am See

Nachdem ein Arbeiter für eine Aktion bzw. Produktion eingesetzt wurde ist er müde und wird erstmal hingelegt. Alle erwirtschafteten Ressourcen (Wolle, Getreide, Kohle, Fisch) stehen natürlich allen zur Verfügung und werden auf das Lagerhaus gelegt. Bei jeder produzierten Ressource wird außerdem der Marker des Spielers auf dem Produktionsrad um eins vorgesetzt. Fleißige Arbeiter werden natürlich belohnt: sobald der Marker auf dem Produktionsrad das Belohnungsfeld überschreitet gibt es für den Spieler einen Kristall und zwei Siegpunkte. Über die Lagerhalle können auch zusätzlich noch Siegpunkte generiert werden. Sobald die dritte Ressource einer Farbe in die Lagerhalle kommt ist sie bereit für den Export. Ein Ressourcenwürfel aus der Lagerhalle kommt dann auf die Exportleiste (wofür es Punkte gibt) und die anderen beiden kommen in den Vorrat zurück.

Der Spieler der den Arbeiter bewegt hat setzt außerdem eine Einflussscheibe auf das entsprechende Arbeiterportrait. Am Ende eines Tages wird auch die Stimmung des Arbeiters gewertet. Der Spieler mit den meisten Einflussscheiben auf einem Arbeiterportrait (bei Gleichstand beide) bekommt Siegpunkte in Höhe der Arbeiterstimmung, aber Achtung - bei schlechter Laune gibt es Minuspunkte.

Neben den Produktionsfeldern können sich die Arbeiter auch am Bau des Palasts der Sowjets beteiligen. Dazu platzieren sie erwirtschaftete Kristalle auf dem Feld des Palasts mit ihrer Spielerfarbe. Am Ende des Spiels gibt es für die fleißigsten Palastbauer auch wieder Siegpunkte. Wenn am Palast gebaut wird freut sich außerdem die Kommissarin. Ihre Stimmung und die des Arbeiters steigen jeweils um einen Punkt.

In den ersten Runden ist es wie bereits oben beschrieben sinnvoll ohne die Spezialkarten zu spielen - sie machen das Spielgeschehen komplexer. Spezialkarten gibt es für jeden Arbeiter und jeden Ort. Wenn sie genutzt werden sollen bekommt jeder Spieler zu Spielbeginn eine zufällig gezogene Arbeiter- und eine Ortskarte. Die Karten können immer genutzt werden, wenn der entsprechende Arbeiter oder der entsprechende Ort durch den Spieler genutzt wird.

да здравствует коммунизм *

RED OUTPOST überzeugt als schnörkelloses flottes Worker Placement mit einer ungewöhnlichen Hintergrundgeschichte und interessanten Mechanismen. Die Ideologie des Kommunismus ist stets präsent und wird durch die grafische Gestaltung stimmungsvoll untermalt. Den Ersteindruck dass RED OUTPOST ein kooperatives Spiel ist lässt man schnell hinter sich, wenn der Gegner dem eigenen Arbeiter zum ersten Mal die Stimmung und somit Punkte auf der Siegpunkteleiste versaut.

Auffällig, aber ebenfalls positiv ist der schnelle Aufbau und die kurze Spielzeit - eigentlich untypisch für ein Worker Placement. Das Spiel ist somit optimal als kleiner Pausensnack an einem Spieleabend oder einfach für eine anspruchsvolle schnelle Runde zwischendurch. Ob man hier als Spieler voll auf Siegpunkte setzt, oder lieber seinen Mitspielern das Leben schwer macht bleibt jedem selber überlassen.

Bei den Spezialkarten muss man abwägen, ob man Sie einsetzt. Einerseits geben sie den Spielern mehr Möglichkeiten taktisch zu spielen, andererseits stören sie den Spielfluss, da man schon überlegen muss, wann man eine Karte wo einsetzt. Will man das Spiel ohne erhöhten Grübelfaktor flott durchspielen sollte man sie einfach weglassen. Für uns ist RED OUTPOST ein gelungenes Paket. Der Preis hat uns angesichts der Wertigkeit des Materials überrascht. Wer Worker Placement und Thema mag kann bedenkenlos zugreifen.

* Es lebe der Kommunismus

Spieleranzahl: 2-4 | Alter: 10+ | Spieldauer: 30-60 Minuten | Erscheinungsjahr: 2020
Autor: Raman Hryhoryk | Illustration: Irina Pechenkina, Maxim Suleymanov | Verlag: Lifestyle Boardgames Ltd. / deutschsprachige Ausgabe: Asmodee GmbH
Weitere Informationen: asmodee.de/red-outpost

  • 1 Phasenmarker
  • 24 Ressourcenwürfel
  • 44 Einflusscheiben
  • 6 Sperrmarker
  • 1 Startspielermarker
  • 6 Arbeiter
  • 6 Stimmungsmarker
  • 24 Kristalle
  • 12 Raumschiffkarten
  • 6 Seekarten
  • 18 Spezialkarten
  • 1 Spielplan

Der erste Schritt eines Menschen auf dem Mond hat den Wettlauf ins All beendet … oder doch nicht? Eine geheime sowjetische Raumfahrtmission wurde ausgesandt, um eine neue Welt zu besiedeln, in der alle Menschen gleich sind. Das großartige Raumschiff „Krasnaya Zarya“ legte schließlich eine Bruchlandung auf einem bewohnbaren Planeten hin, der nun ganz euch gehört. Möge eure kommunistische Siedlung im All erblühen!

Red Outpost ist ein Arbeitereinsetz-Spiel der etwas anderen Art, in dem die Spieler auf einem fremden Planeten zusammen ein sowjetisches Paradies aufbauen. Dabei teilen sie sich ganz brüderlich die Kontrolle über die Arbeiter, produzieren fleißig Gemeinschaftsgüter und stoßen auf den Kommunismus an. Doch am Ende des Tages kann nur einer der Anführer des glorreichen – und ganz und gar nicht kooperativen – Red Outpost werden!

Brettspiele Strategie
30.10.2020 21:25 - Stefan