Little Town


Little Town ist ein Worker-Placement Spiel und stand auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020. Da ich durchaus gerne Spiele aus diesem Genre wie z. B. Agricola oder Räuber der Nordsee mit der Familie spiele war ich durchaus gespannt - und wurde nicht enttäuscht. Im Gegensatz zu anderen Worker-Placement Spielen bedient Little Town die klassische Aufbaustrategie: Rohstoffe sammeln, Bauwerke errichten und die Bevölkerung bzw. seine Arbeiter ernähren.

Das fruchtbare Land

Zur Spielvorbereitung werden die fünf Getreideplättchen sowie zwölf Bauwerkplättchen auf den entsprechenden Stellen auf dem Spielplan platziert. Beim ersten Spiel sollten die Bauwerkplättchen mit dem Rotkehlchen genutzt werden. Jeder Spieler erhält zusätzlich Arbeiter, Häuser und Zielkarten entsprechend der Spieleranzahl. Drei Münzen gibt es obendrein für jeden. Sobald der Startspieler bestimmt ist geht es auch schon los. Gespielt wird in vier Runden, wobei in jeder Runde die Spieler abwechselnd und im Uhrzeigersinn ihre Arbeiter einsetzten. Dabei können Sie sich zwischen zwei Aktionen entscheiden:

  1. Sammeln und aktivieren
  2. Ein Bauwerk errichten

Sammeln

Um Rohstoffe zu sammeln platziert man einen Arbeiter auf einem freien Wiesenfeld. Auf den acht umliegenden Feldern können dann die Rohstoffe (Wald = Holz, Berg = Stein, See = Fisch) in einer beliebigen Reihenfolge eingesammelt werden. Man sollte seinen Arbeiter also möglichst bei den gerade benötigten Rohstoffen platzieren. An Getreide kommt man in erst, wenn ein entsprechendes Feld errichtet wurde.

Aktivieren

Wenn ein Arbeiter angrenzend zu einem Bauwerk platziert wird kann er dieses aktivieren und somit den Effekt nutzen. Wenn das Bauwerk einem Mitspieler gehört muss dieser mit einer Münze bezahlt werden. Ein Bauwerkplättchen darf dabei nur ein mal pro Arbeiter aktiviert werden. Bereits beim Bauen sollte man darauf achten, dass einige Bauwerke Effekte haben, die am Ende der Runde oder auch erst am Ende des Spiels aktiviert werden. Manche Bauwerke haben auch gar keine Effekte wie z. B. die Statue.

Ein Bauwerk errichten

Hat der Spieler genug Rohstoffe für ein gewünschtes Bauwerk beisammen kann er dieses vom Markt nehmen und auf ein beliebiges freies Wiesenfeld legen. Dafür muss ein Arbeiter auf dem Bauplatz gesetzt werden. Ein Haus in der Spielerfarbe wird auf das Bauwerkplättchen gesetzt. Die angegebenen Siegpunkte werden direkt auf der Siegpunktleiste gutgeschrieben.

Tipp: Jederzeit kann ein beliebiger Rohstoff für drei Münzen gekauft werden, wenn dieser dann sofort eingesetzt wird.

Die Arbeit macht hungrig

Sobald alle Spieler ihre Arbeiter eingesetzt haben ist die Runde beendet. Jetzt werden ggf. Effekte von Spezialgebäuden ausgeführt und die Bevölkerung ernährt. Pro Arbeiter muss ein Fisch oder ein Getreide zur Verfügung stehen. Kann der Spieler seine Arbeiter nicht ernähren kostet das Siegpunkte - und zwar drei pro hungernden Arbeiter. Es sollten also immer genug Nahrungsmittel in der Runde gesammelt werden.

Ziel erreicht?

Zielkarten können jederzeit gespielt werden, wenn die darauf angegebenen Bedingungen erfüllt sind. Die abgebildeten Siegpunkte werden direkt auf der Siegpunktleiste gutgeschrieben. Nach der vierten Runde endet das Spiel und es folgt eine Schlusswertung. Dabei werden die Siegpunkte für Wachturm und Burg (wenn vorhanden) gutgeschrieben. Zudem gibt es einen Siegpunkt für jeweils drei Münzen. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Bei Gleichstand wird der Sieg geteilt.

Der Baumeister ist erfreut

Little Town ist ein toller Einstieg in das Worker-Placement Genre und zwar für die ganze Familie. Die überschaubare, reichlich bebilderte Spielanleitung, der strukturierte Ablauf und die mit einem Rotkehlchen markierten Bauwerkplättchen ermöglichen einen schnellen Einstieg ohne lange Vorbereitung. Die Spielzeit ist relativ kurz und es gibt selbst bei einem Spiel zu viert so gut wie keine Downtime. Aus unserer Sicht kann daher die Altersempfehlung durchaus noch nach unten (8+) korrigiert werden.

Trotz des leichten Einstiegs bietet das Spiel reichlich strategische Tiefe. Die Rohstoffe sind auf dem Spielplan verteilt und man sollte sich sehr genau überlegen, was man an welcher Stelle sammelt um den Traum der eigenen Burg zu verwirklichen. Besonders gut gelungen: Möchte man das Bauwerk bzw. den Effekt eines Bauwerks von einem seiner Gegner benutzen muss man diesen dafür bezahlen. Die "Zielkarten" sind nicht wirklich ausschlaggebend für das Erreichen eines Sieges, bringen aber zusätzliche Siegpunkte. Die Bauwerkplättchen werden nach der Einstiegsrunde zufällig gezogen, was dem Spiel zusätzliche Varianz verleiht und auch der Spielplan kann nach Belieben beidseitig genutzt werden.

Little Town wird bei uns besonders in der Familie noch oft auf dem Spieltisch landen. Unsere Tochter (10 Jahre) spielt es inzwischen auch gern allein mit ihren Freundinnen. Der schnörkellose Mechanismus und das taktische sammeln von Rohstoffen erinnert mich an eines meiner ersten Computerspiele (Empire Earth) was ich in grauer Vorzeit nächtelang gespielt habe. Für die anspruchsvolle Brettspielrunde etwas zu wenig, aber für zwischendurch perfekt.

Spieleranzahl: 2-4 | Alter: 10+ | Spieldauer: 45 Minuten | Erscheinungsjahr: 2019
Autor: Shun & Aya Taguchi | Illustration: Sabrina Miramon | Verlag: iello | Vertrieb: Hutter Trade GmbH

  • 1 Spielplan
  • 1 Spielhilfe
  • 29 Bauwerkplättchen
  • 18 Zielkarten
  • 20 Arbeiterfiguren
  • 60 Rohstoffwürfel
  • 1 Startspieleranzeiger
  • 1 Rundenanzeiger
  • 28 Hausfiguren
  • 24 Münzen
  • 4 Siegpunktanzeiger
  • 4 60er Punkteplättchen

Weit hinter den fernen Bergen liegt ein fruchtbares Land, das erkundet werden will. Diese von Reichtümern überquellende Region ist der ideale Platz, um mit dem Bau einer wundervollen Stadt zu beginnen. Sammelt Rohstoffe, um euer erstes Bauwerk zu errichten, setzt dann ein weiteres dazu und noch eins, und so weiter, bis eine großartige Stadt entstanden ist! Habt ihr das Zeug, ehrgeizige und talentierte Baumeister zu werden?

Brettspiele Strategie
01.08.2020 10:00 - Stefan