Das Beinhaus von Sedlec


Kutná Hora am 24 Juni 1420 n. Chr..

Es ist nicht einmal 100 Jahre, dass die letzte große Pestepidemie über unsere Hauptstadt Prag gerollt ist. Kutná Hora wurde zum Glück verschont, aber für den Freiknecht von Sedlec bedeutete die erneute Welle viel Arbeit. Bis zu 16 Stunden wurden Gebeine, Knochen und Schädel gestapelt, da die zentralen Friedhöfe der Hauptstadt die Massen an Toten nicht mehr aufnehmen konnten. Woher ich das weiß? - Der Freiknecht war zufällig mein Großvater und hat mir viel aus dieser Zeit erzählt. Wäre er bei den ersten Wellen der Pestepidemie dabei gewesen hätte man ihn wohl wie die anderen gelyncht. Freiknechten und Totengräbern wurde damals vorgeworfen die Seuche vorsätzlich verbreitet zu haben.

Im letzten Jahr ist unser guter König Wenzel verstorben. Seitdem hat sich die Lage in Böhmen immer weiter zugespitzt und man kann inzwischen von einem Krieg der Hussiten sprechen. Wie schon bei der Pest ist Kutná Hora bis jetzt verschont geblieben, aber hier wird die Arbeit immer mehr und ich frage mich immer öfter ob es richtig war in die Fußstapfen meines Großvaters zu steigen. Jetzt muss ich los. Die nächste Fuhre aus der Hauptstadt kommt gerade auf den Hof gefahren. Denn ihr müsst wissen, dass in der Hauptstadt Platz für unsere tapferen Soldaten benötigt wird.

Der Friedhof

Also machen wir uns an die Arbeit. Das Beinhaus von Sedlec ist ein Spiel aus der Button Shy Reihe, die bekanntlich aus 18 bzw. 24 Karten bestehen. Auf der Vorderseite der Karten sind immer zwei Totenköpfe verschiedener oder gleicher Persönlichkeiten abgebildet (Adelige, Bauern, Priester, Verliebte, Schurken). Unsere Aufgabe besteht darin die Totenköpfe vom Friedhof möglichst effektiv in einem Totenkopfstapel anzuordnen. Zum Spielbeginn wird der Friedhof verdeckt aus den Karten gebildet. Dieser besteht aus sechs Stapeln zu jeweils drei Karten. Der Totenkopfstapel, den die Spieler errichten bildet eine Pyramide und hat je nach Anzahl der Spieler eine bestimmte Form:

  • Zwei Spieler: untere Reihe vier, mittlere Reihe drei und obere Reihe zwei Karten
  • Drei Spieler: untere Reihe drei, mittlere Reihe zwei und obere Reihe eine Karte

Gespielt wird abwechselnd im Uhrzeigersinn. Dann darf genau eine von drei möglichen Aktionen ausgeführt werden. Beim Graben darf der Spieler zwei Karten auf dem Friedhof aufdecken und eine davon auf die Hand nehmen. Alternativ kann er eine aufgedeckte Karte vom Friedhof aufsammeln. Das Handkartenlimit liegt bei zwei. Die dritte Möglichkeit ist das Stapeln. Der Spieler nimmt dazu eine Karte aus der Hand und legt sie zu seiner Pyramide. Dabei muss er mit der untersten Reihe beginnen. Um die nächste Reihe zu legen müssen mindestens zwei Karten in der drunterliegenden Reihe die neue Karte stützen. Das war es auch schon, also fast, denn für die Endwertung spielt es natürlich eine Rolle, wie die Karten in der Pyramide gestapelt sind.

Liebe über den Tod hinaus

Sobald alle Karten in einem Totenkopfstapel untergebracht sind beginnt die Endabrechnung. Jetzt kommt es darauf an, wie gestapelt wurde:

  • Adelige: Ein Punkt für jeden Adeligen und jeden Bauern, der sich in einer Reihe unter dem Adeligen befindet
  • Bauern: Ein Punkt für jeden Bauern
  • Priester: Zwei Punkte für jede Reihe in der ein Priester liegt
  • Verliebte: Liegen diese direkt als Paar nebeneinander gibt es drei Punkte
  • Schurken: Zwei Punkte, wenn der Schurke an einen Priester angrenzt

Für die ersten Runden liegt eine Spielerhilfe Karte bei, auf der die Punkteverteilung und auch der Ablauf kurz erklärt ist. Nach den ersten Runden können problemlos die sechs Karten der Henker-Erweiterung dazugekommen werden. Der Friedhof besteht dann zum Spielbeginn wieder aus sechs Stapeln aber mit jeweils vier Karten. Die Pyramiden werden nach dem gleichen Muster gebaut - es bleiben also am Ende Karten übrig. Ein Henker erhält am Ende einen Punkt plus Punkte für Schurken in einer angrenzenden Schurkengruppe (ein Punkt pro Schurken in der Gruppe).

Die Schatztruhe des Landes

Kutná Hora trägt heute den Beinamen Schatztruhe des Landes. Einen kleinen Teil des Schatzes darf man mit dem Beinhaus von Sedlec entdecken. Das Spiel hat ein spannendes wenn auch nicht ganz einfaches Thema. Dafür spielt es sich nach kurzem Regelstudium umso leichter. Eine Portion Glück und die richtige Taktik muss man aber schon mitbringen um der beste Totengräber zu werden. Eine Besonderheit ist es, dass man eigentlich das ganze Spiel über die Handkarten des Gegners kennt - diese muss man sich nur merken. Dadurch gewinnt das Spiel noch mehr Tiefe und damit es nicht so schnell langweilig wird liegt die Henker-Erweiterung mit sechs Karten bei. Trotzdem füllt das Spiel natürlich keinen Spieleabend, aber dass will es auch gar nicht. Perfekt geeignet ist es für einen schmalen Absacker oder als Eröffnungsrunde und natürlich für unterwegs. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Spiel man in 18 bzw. 24 Karten unterbringen kann. Für mich einer der besten Titel der Button Shy Reihe.

Spieleranzahl: 2-3 | Alter: 8+ | Spieldauer: 20 Minuten | Erscheinungsjahr: 2021
Autor: Dustin Dobson | Illustration: Marty Cobb, Dustin Dobson | Verlag: Frosted Games
Weitere Informationen: frostedgames.de/shop/das-beinhaus-von-sedlec

  • 25 Spielkarten
  • 1 Anleitung

Prag im 16. Jahrhundert: Der Schwarze Tod und zahllose Glaubenskriege haben eine Vielzahl von Toten hinterlassen. Der Friedhof ist überfüllt und es droht schon die nächste Katastrophe. Die Rettung ist Das Beinhaus von Sedlec.

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22.06.2022 - Stefan